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- Name:
- Wolfgang Tischer
- Episode:
- 90 - Sommerstimmung schreiben
- Datum:
- Montag, 28.07.2025 um 10.40:46 Uhr
- Liebe Frau Kleist,
da hast Du zu viel hineininterpretiert. Intertextualität oder Metatextualität sind hier gar nicht gemeint. Jede und jeder sollte sich seine Vorbilder suchen. Daher betonen wir stets, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen fürs Schreiben das Lesen ist. An anderen Texten lernen wir. Vielleicht ahmen wir erst einmal unseren Vorbildern nach, bevor wir unseren eigenen Stil entwickeln und uns dann womöglich stolz darauf beziehen. Bewusst oder unbewusst.
Nur: Die Welt dreht sich weiter. Die Leser von heute lesen anders als früher. Viele lesen leider überhaupt nicht mehr. Die Aufmerksamkeitsmaschinerie und -ökonomie läuft anders, getrieben durch das Internet und die sogenannten Sozialen Medien. Da klingt es für viele schlimm und kulturell desaströs, wenn man feststellt: ein Text von Thomas Mann oder eben der von Robert Musil hätte heute wahrscheinlich keine Chance mehr bei den meisten Lesern (und Verlagen). Zu lange der Einstieg, zu ausufernd die Beschreibungen, bis es endlich losgeht. Zu subtil der Humor, und die Ironie in den Texten, wird von vielen heute gar nicht mehr verstanden. Für die muss es oft der Holzhammer sein.
Aber ihr kennt uns: Wir fordern keineswegs den Holzhammer und ermutigen euch stets, dass zu schreiben, was (und wie) ihr wollt.
Und dennoch werden die Verlage final nach ökonomischen Gesichtspunkten urteilen und bewerten. Ist der Text verkäuflich? Wollen die Leser das heute noch lesen?
Man schreibt nicht nur für sich allein. Die meisten streben nach Veröffentlichung. Und heute hat sich die Rezeption der Leserinnen und Leser geändert. Wer sie erreichen will, muss dem gerecht werden. Den eigenen Weg gehen UND die Erwartungen von Lesern (und somit der Verlage) treffen, das wird von einigen Schreibenden knallhart geplant, andere treffen zufällig einen Zeitgeist. Literatur, Schreiben und Veröffentlichen ist in den meisten Fällen nicht planbar. Zufall und Durchhaltevermögen sind wichtige Aspekte. Und dennoch: Wer gelesen werden will, sollte heute nicht mehr unbedingt schreiben wie Thomas Mann.
Und kann es sein, dass ich dich jetzt rufen höre: »O tempora! O mores!«?
Liebe Grüße
Wolfgang
- Name:
- Wolfgang Tischer
- Episode:
- 90 - Sommerstimmung schreiben
- Datum:
- Montag, 28.07.2025 um 10.11:03 Uhr
- Liebe Hildegard,
du hast dir sehr viele Gedanken gemacht, doch eigentlich rufen wir dir und den anderen nur zu: Seid kreativ! Wir sind nicht in der Schule oder im Germanistik-Seminar. Wir freuen uns auf eure Texte! Zu deiner Frage wiederholen wir das, was wir im Podcast gesagt haben: Wir wollen eure Prosatexte lesen, keine Gedichte.
Liebe Grüße
Wolfgang
- Name:
- Hildegard
- Episode:
- 90 - Sommerstimmung schreiben
- Datum:
- Sonntag, 27.07.2025 um 14.33:33 Uhr
- Hallo, Ihr zwei, ich habe zu Eurer Sommeraufgabe mal eine ganz blöde Frage: wenn ich mit der genannten Zeile beginne, bezieht sich der folgende Text dann auf einen bereits vergangenen Sommer oder liegt hier der Fall des erzählerischen Pretäritums vor? In der Lyrik verhält sich das doch anders als in der Prosa??
- Name:
- Frau Kleist
- Episode:
- 90 - Sommerstimmung schreiben
- Datum:
- Sonntag, 27.07.2025 um 13.00:43 Uhr
- Dieses "man würde heute nicht mehr schreiben wie..." geht mir gehörig auf den Kranz. Schon mal was von Intertextualität oder Metatextualität gehört? Im Gegenteil: ich schreibe heute genauso wie, weil ich... und setze dieses Mittel bewusst ein.
- Name:
- June Merfort
- Episode:
- 90 - Sommerstimmung schreiben
- Datum:
- Sonntag, 27.07.2025 um 03.12:09 Uhr
- Hach, was für eine schöne Folge und eine noch schönere Schreibaufgabe. Mittlerweile ist es schon eine Art Traum (oder besser: Ziel) geworden, irgendwann einmal einen eigenen Text im Schreibzeug Podcast zu hören. Ich habe nur mehr und mehr geistige Probleme mit Dianas "Folge nicht der ersten Idee" Mantra. Denn ich bin mir ja bewusst, dass alle die mitmachen den Podcast ebenfalls hören und genau wie ich auf der Suche nach den eher ungewöhnlichen Optionen sind. Da frage ich mich ob sich der Effekt nicht irgendwann wieder umkehrt wenn alle die "klassischeren" Varianten links liegen lassen. Wenn keiner mehr die Autobahn nimmt sind die Umgehungsstraßen ja auch irgendwann voll. Und was denken wohl die anderen, haben überhaupt alle die selben Ideen wie ich?
Ach, das Gedankenkarussell ist schon wieder in voller Fahrt. Ich muss aufpassen, mich nicht zu sehr in der Suche nach der abgefahrensten und unwahrscheinlichsten Idee zu verlieren. Aber gerade das macht die Auswertung der gläsernen Jury am Ende noch spannender! Ich kanns kaum erwarten!
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