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- Name:
- Stefan
- Episode:
- 1 - Anfänge schreiben
- Datum:
- Freitag, 23.08.2024 um 18.39:13 Uhr
- Hi,
ich habe da eine Frage: kann es sein, dass viele erfolgreiche Autoren es sich herausnehmen, von den Normen abzuweichen. Kann z.B. ein Stephen King es sich leisten, einen Anfang mehr oder minder "langweilig" zu gestallten, weil er einfach sagt, dass das seine Geschichte einfach brauche. Ich lese im Moment "Fairy Tale" und im Moment bin ich bei Seite 150 (Hard Cover Ausgabe) und es passiert einfach nichts Spannendes. Es ist ein Ich-Erzähler und wir erfahren von ihm alles, quasi von der Geburt weg, und bis jetzt haben wir weder die Handlung, die ich mir erwarten würde, noch einen in Erscheinung getretenen Antagonisten. Ich wage zu behaupten, wäre das sein erster, eingereichter Roman gewesen, er wäre nicht genommen worden. Er ist sprachlich gut und auch von den Handlungsabläufen gut durchdacht und man kann sich in das Leben des erzählenden Teenagers einleben, aber es passiert ... einfach ... NICHTS!
Ich habe ein bisschen Wolfang im Ohr, wie er Jungautoren zitiert die sagen "Ja, am Anfang ist es ein bisschen langweilig, aber später wird es dann besser." Kann jemand wie ein King (oder ein Fitzek) sich das irgendwann leisten? Werden seine Bücher auf jeden Fall verkauft und selbst wenn eines mal nicht so läuft, denkt sich der Verlag oder der Agent "Sei's drum!"? Das ist kein Neid, der aus mir spricht und als studierter Betriebswirt kann ich mir durchaus vorstellen, dass ein:e erfolgreiche Autor:in sich mehr erlauben darf, weil die Bücher auf jeden Fall gekauft werden würden, aber manchmal enttäuschen mich die großen Namen damit ein bisschen (und ich bin ein großer King-Fan).
Was ist eure Meinung dazu?
Liebe Grüße
Stefan
- Name:
- Stefan
- Episode:
- 1 - Anfänge schreiben
- Datum:
- Freitag, 16.08.2024 um 10.07:53 Uhr
- Hi,
mein persönlicher Lieblingsanfang: Stephen King, Der dunkle Turm (The Dark Tower – The Gunslinger) aus dem englischen von Joachim Körber.
"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm." - "The man in black fled across the desert, and the gunslinger followed."
Sowohl im englischen Original als auch auf Deutsch ist es ein sehr starker erster Satz. Wir sehen sofort Protagonist und Antagonist vor uns und wir wissen, wer die beiden sind. Dann haben wir die Wüste, bei der wir auch sofort ein Bild im Kopf haben. Und das 'Fliehen' sowie das 'Folgen' erzeugt bei uns Spannung und Bilder. Als Leser:innen malen wir uns aus, was davor passiert sein könnte; wie es dazu kam, dass der Mann in Schwarz fliehen musste und warum der Revolvermann ihm folgen muss. (Ich denke, wenn die Leser sich eigenständig ausmalen, was die Figuren davor gemacht haben könnten - oder zwischen den Kapitel machen würden - dann haben wir, die Schreibenden, schon ein bisschen gewonnen.)
Im Englischen ist 'Gunslinger' ein Begriff, der mit Revolvermann nicht ganz so gut übersetzt ist. Nicht, weil der Übersetzer nicht gut war, sondern weil wir im Deutschen keinen besseren Ausdruck dafür haben. Revolvermann (oder Revolverheld, wie es manche Übersetzungsmaschinen auswerfen) beschreibt nicht ganz, was die Hauptperson in dieser Romanreihe ist. Dennoch, meiner Meinung eine der besten Anfänge der Belletristik (gleichauf mit Samsas Erwachen zu einem ungeheuerlichen Ungeziefer).
Liebe Grüße
Stefan
- Name:
- Karina
- Episode:
- 43 - Sprache & Stil für Autoren
- Datum:
- Mittwoch, 14.08.2024 um 17.32:22 Uhr
- Sehr schön erzählt, kann nichts ergänzen, nur lernen
- Name:
- Gobber Irene Wenche
- Episode:
- Allgemein
- Datum:
- Dienstag, 13.08.2024 um 07.52:08 Uhr
- Hei, was seid ihr denn für ne liebe Reihe? Bin schockverliebt in eure Stimmen, in die schöne deutsche Sprache und natürlich in den Inhalt.
Komm aus dem schönen Vorarlberg/A und lebe in einer Stadt, in der es einige Schreiberlinge gibt.Viele verlegen sich auf Mundart-Dichtungen und Erzählungen, um den Dialekt zu bewahren. Ich selbst schreibe Standard. Ich bin in Singen am Htwl. aufgewachsen, aber Vorarlbergerin.
Briefromane fesseln mich immer wieder. Sie haben ein Dabeisein oder eine Direktverdrahtungen mit den Personen, die schreiben oder angeschrieben werden. Es ist voyeuristisch, es geht einen gar nichts an, es ist heimliche Belauschung und vor allen Dingen einfach soo spannend.
Jetzt muss ich aber witerlosna
(weiterzuhören).
SG Irene
- Name:
- Stefan
- Episode:
- Allgemein
- Datum:
- Sonntag, 11.08.2024 um 23.30:14 Uhr
- Hi,
ich denke, das Schwierigste beim Schreiben ist das, was Voltaire gesagt hat: "Jede Art zu Schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige."
Das Interessante ist: selbst die großen Schriftsteller schaffen das ab und an. Herman Melville hat es bei mir in Moby-Dick geschafft, indem er gefühlt seitenlang Schiffsbegriffe eingeworfen hat (zumindest meinem Teenager-Ich hat das gelangweilt). Dan Brown hat es fast in jedem seiner Bücher mit den Rätseln geschafft und selber eine Stephen King (ich bin ein großer Fan) schafft es indem er einfach zu lange und zu viele Dinge erzählt, nach denen ich nie gefragt hätte.
Für uns, die noch träumen dürfen, mit unseren verlegten Büchern die Leser:innen zu langweilen, ist (meiner Meinung nach) ein Tipp sehr wertvoll: wiederhole dich nicht! Szenen dürfen nicht repetitiv werden, es darf nicht immer das gleiche passieren. Beispiel: ein Duell in einem Western ist gut, ein zweites wird noch verziehen, aber den dritten wird es langweilig; sofern es immer den selben Ausgang hat. Muss unsere Figur kämpfen, sollte jeder Kampf anderes aussehen und anderes ausgehen (allgemein sollte man mit der Action nach Qualität gehen und nicht nach Quantität). Hat die Hauptfigur Aufgaben zu erledigen, dann sollten es verschiedene Aufgaben sein, die auch in Verbindung zueinander stehen, sonst sind wir in einem Open-World Videospiel. Apropos Videospiele: man sollte vermeiden, eine Handlung so ähnlich aufzubauen (habe es probiert, war nicht gut) und gerade im Fantasy-Gerne sollte es keine Nebenquests geben, die der Handlung nichts bringen, sonst fühl es sich wirklich wie ein Videospiel an.
Ich mag es eigentlich, groß zu träumen und groß zu denken, aber beim Schreiben steht einem beides im Weg. Weniger Figuren, dafür stärker! Weniger Text, dafür spannender! Die Romanwelt einfacher, dafür logischer und leichter zu verstehen! (All diese Punkte sind im übrigen ein Grund, warum ich kein Fantasy mehr lese, vielleicht waren es die Amerikaner, die More-is-More in diesem Genre eingeführt haben, who knows.)
Wenn es bei mir langweilig wird, merke ich das heute meistens recht schnell: ist mir beim Schreiben langweilig, wird es beim Lesen vermutlich nicht merklich spannender. Und wenn mir mal nichts kreatives einfällt, gehe ich nach draußen und bewege mich an der frischen Luft, das hilft tatsächlich. Ich gehe Radfahren, aber spazieren wird's sich auch tun.
In diesem Sinne, kreative Grüße
Stefan
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