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- Name:
- Christine
- Episode:
- 70 - Briefromane schreiben
- Datum:
- Montag, 29.07.2024 um 23.15:58 Uhr
- Ein wundervolles Buch, das zwar nicht ausschließlich aus Briefen besteht, in dem Briefe aber eine wichtige Rolle spielen ist das Kinderbuch "Briefe von Felix" von Annette Längen. (Es gibt auch noch ein paar andere Bücher mit Briefen von Felix.)
- Name:
- Sabine
- Episode:
- 70 - Briefromane schreiben
- Datum:
- Sonntag, 28.07.2024 um 13.10:31 Uhr
- Ein, wie ich finde, sehr schönes Beispiel für einen modernen Briefroman ist der Roman »Zwischen Welten« von Juli Zeh und Simon Urban. Er wechselt zwischen den Welten der Protagonist*innen hin und her, einem Journalisten aus Hamburg und einer Landwirtin aus Brandenburg. Geschrieben wird per WhatsApp und Email, wobei auch auf die Problematik dieser Medien eingegangen wird. Ein Roman nah am Puls der Zeit, den ich sehr gerne gelesen habe.
Wie immer war eure Podcastfolge eine runde Sache und ich bin gespannt, welche Briefe euch erreichen.
- Name:
- Flori
- Episode:
- 67 - Künstliche Intelligenz beim Schreiben
- Datum:
- Freitag, 26.07.2024 um 20.18:37 Uhr
- Ich höhre eurem Podcast schon länger zu, hab bis jetzt jedoch nie kommentiert. Bei dem Thema "Toter in der Badewanne" ist mir aber eine Geschichte eingefallen, die ich unbedingt teilen will:
Brunhilde hatte die denkwürdige Angewohnheit gehabt jeden Samstagabend zu Baden, draußen, bei jedem Wetter. Jetzt war ihr dies zum Verhängnis geworden. Es hatte seit mehreren Tagen geschüttet und der nahe Bach war über seine Ufer getreten. Die dorfbekannte Dame ließ sich aber durch keine Widrigkeiten von ihrer Tradition abbringen und war deshalb in Gummistiefeln und mit Regenschirm zu ihrer Kupferbadewanne gewatet. Sie hatte bereits das Regenwasser aus der Wanne gelassen und wollte sie wieder mit frischem Badewasser füllen als eine Welle sie, mitsamt dem Gefäß, mitriss. An Land gespült wurde sie erst einige Kilometer flussabwärts, auf einer flachen Wiese am Ufer des Baches. Zu diesem Zeipunkt hatte sie sich bereits eingeseift und wollte jeglichen Schmutz mit etwas Flusswasser abspülen, jedoch machte ihr der Blitz einen Strich durch die Rechnung.
Danke für euren Podcast und Liebe Grüße
Flo
- Name:
- Michael Finkenzeller
- Episode:
- 67 - Künstliche Intelligenz beim Schreiben
- Datum:
- Montag, 15.07.2024 um 10.14:44 Uhr
- Liebes Schreibzeug-Team,
Ihr hattet gestern aufgerufen, noch weitere Badewannengeschichten zu schicken. Hier nun eine historisch verbürgte:
Deutschland 1973: Im Frankfurter Stadtwald finden Pilzsucher eine Badewanne, darin die Leiche eines jungen Mannes namens Ole Mühlbauer. Kommissar Kopp steht vor einem Rätsel. Wie kam die Badewanne auf die Lichtung? Warum verdurstete Ole darin? Und was wollte der Leverkusener in Frankfurt?
Die Polizei will Oles Mitbewohner Rudi verhören, aber der ist spurlos verschwunden. Am WG-Kühlschrank hängt die Anmeldung für ein Paella-Praktikum in Barcelona. Kommissar Kopp fliegt nach Spanien, foltert Rudi mit versalzenem Meeresfrüchtesalat und erhält ein Geständnis.
Ole und Rudi waren Bierausschenker auf der SPD-Bezirksversammlung in Leverkusen. Im Abstellraum des Museums Morsbroich entdecken sie eine verfettete Badewanne, ideal zum Gläserspülen. Ole und Rudi säubern die Wanne und merken zu spät, dass sie gerade ein Kunstwerk von Joseph Beuys zerstören.
Ole will das Missgeschick nutzen, um sich für die Kunsthochschule Düsseldorf zu bewerben. Er plant eine Beuys-Tribute-Performance gegen die Startbahn West, gegen die NATO und gegen Waldrodung. Gemeinsam mit Rudi fährt er die Badewanne in den Frankfurter Stadtwald, legt sich hinein und wartet auf die Presse.
Rudi schluckt zur Feier des Tages ein paar LSD-Pillen, irrlichtert tagelang durchs Frankfurter Bahnhofsviertel und vergisst, bei der Zeitung anzurufen. Das schlechte Gewissen treibt ihn nach Barcelona. Ole liegt frustriert in der Badewanne, bis er stirbt – an Flüssigkeitsmangel und an der Wut über sein künstlerisches Scheitern.
Beste Grüße, Ihr seid super!
Michael
- Name:
- Stefan
- Episode:
- 68 - Recherche für Romanautoren
- Datum:
- Montag, 01.07.2024 um 10.21:49 Uhr
- Hallo,
vielen Dank für die Folge und eure Ideen. Für mich sind Geschichten (die, die ich lesen und die, die ich schreibe) eine Mischung aus Wahrheit und Fiction. Ich glaube, Stephen King hat es so ausgedrückt: "Autoren lügen um die Wahrheit zu sagen." Ich denke, das trifft es am Besten.
Wenn ich meine Geschichten an Orte spielen lasse, die es gibt, versuche ich mich an die wichtigsten Fakten zu halten. Wo welches Café ist, ist mir manchmal egal. Brauche ich eine Bäckerei, nehme ich mir heraus, eine an einer Stelle zu erfinden, auch wenn sich im echten Leben dort ein Schuhgeschäft befindet. Ich denke, die meisten Leute (sollte ich jemals veröffentlichen) werden es mir verzeihen. Es ist Fiktion, kein Tatsachenbericht. Allgemein gültige Sachen (z.B. der Dom in Köln oder in Wien, die Pyramiden in Ägypten, im Weltraum herrscht Vakuum, usw.) bleiben auch so, es sei denn, die Geschichte verlangt es (z.B.: ein Paralleluniversum, wo alles anderes ist).
Ich schreibe meistens nur über Dinge, die ich entweder kenne oder mir glaubhaft vorstellen kann (oder mir irgendwie zusammenreimen könnte). Schreibe ich über einen Lehrer wäre es vielleicht gut, wenn ich selber Lehrer wäre oder mit einem Lehrer darüber reden könnte, aber wenn ich es den Nicht-Lehrerinnen und Nicht-Lehrerin unter meinen hypothetischen Lesern gut genug verkaufen kann, verzeihen mir hoffentlich die Wissenden die eine oder andere Ungenauigkeit.
Allgemein gesprochen: ich kann Autofahren, aber nicht Motorrad, darum wird keiner meiner Hauptcharaktere jemals auf einem Motorrad sitzen. Ich bin kein Physiker, darum wird keiner meiner Handlung von einem Physiker erzählt werden. Aber vielleicht spricht mein Hauptcharakter mit einer/einem Physiker:in über etwas und lässt sich etwas erklären. Ich nehme Dinge, die ich kenne, und setzte sie in einen neuen Kontext.
Wenn Autorinnen und Autoren recherchieren, dann finde ich das besonders reizvoll, weil man dann das Gefühl bekommt, dass die Handlung tatsächlich so abgelaufen ist. King ist oftmals mit der örtlichen Polizei unterwegs, spricht mit Polizisten (für Der Outsider). Für Dreamcatcher ist er mit einem militärischen Geländewagen herumgefahren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es sich auf Schnee und Eis verhält. Traurig finde ich es, wenn Autorinnen und Autoren im Nachwort berichten, was sie alles recherchiert haben und man beim Lesen als Nicht-Wissender Fehler entdeckt. Beispiele: jemand der Motorrad fahren kann, erzählt der Protagonistin, der er es beibringen möchte, dass die Hinterradbremse noch nicht wichtig sei, nur die Vorderradbremse solle sie verwenden; zwei Hauptcharaktere erschleichen sich (in unserer Zeit) einen Weltraumflug, der mittels Lotterie ausgelost wurde, die Einschulung und die Test für den Weltraumflug werden nicht nur innerhalb eines Tages, sondern in nur zwei oder drei Stunden abgehandelt; die eben erwähnten Charaktere wollen das Raumschiff kapern und setzen die andere Mannschaft unter Druck, in dem sie ein bisschen die Luftschleuse öffnen (ich muss nicht im Weltraum gewesen sein, um zu wissen, dass das so nicht funktioniert).
Ich denke, wir müssen keine Astronauten werden, um über Menschen im Weltraum zu schreiben, aber grobe Schnitzer werden meistens nicht verziehen. Wir sollten uns der Wahrheit dennoch so weit annähern, dass nur noch Experten den einen oder anderen Fehler finden.
Danke und liebe Grüße
Stefan
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